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Handfestes / Teil 4: Warum du als Musiker keine GbR gründen solltest!

Immer wieder liest man in diversen Musikerratgebern und Blogs dass eine „Gesellschaft bürgerlichen Rechts“, also die „GbR“, eine einfache und unkomplizierte Angelegenheit ist. Und die optimale Rechtsform um eine Band anzumelden..   Hier ist Vorsicht geboten! Gerade diese Rechtsform bringt unkalkulierbare Risiken mit sich und man sollte Einiges beachten! Erfahre warum:

Wenn Du dich als Musiker selbstständig machen willst, musst Du dies dem Finanzamt gegenüber anzeigen bevor Du den ersten Euro annimmst. Ansonsten ist das quasi Schwarzarbeit und Du machst dich der Steuerhinterziehung schuldig. Ich kenne Fälle, da sind Leute für 50€ Gage angeschwärzt worden – Ich empfehle deshalb alles direkt und ordentlich anzumelden. Wenn Du eine Tätigkeit beim Finanzamt anmeldest, wird dort der Status Deiner Erwerbstätigkeit geklärt.

Als Solomusiker ist das ganze relativ simpel: Du bist Einzelunternehmer und vor dem Finanzamt fallen künstlerische Tätigkeiten unter die Kategorie Freiberufler. Du meldest Dich beim Gewerbeamt und Finanzamt an und einmal im Jahr machst Du eine Steuererklärung mit einer Auflistung Deiner Ein- und Ausgaben (EÜR). Bleibt Dein Umsatz unter 17 500€ und im Folgejahr unter 50 000 €, kannst Du dich sogar als Kleinunternehmer anmelden und bist somit Mehrwertsteuer-befreit. Damit ersparst Du dir dann auch noch die Bürokratie der monatlichen Mehrwertsteuer Voranmeldung.

Aber wie ist das, wenn Du nicht Solo auftrittst sondern Mitmusiker hast?

Was ist eine GbR ?

Bei mehreren Musikern ist die Sachlage weitaus komplizierter. Wenn man gängige Musikerratgeber oder Blogs liest, wird es Bands, oft in lockeren Sätzen, empfohlen eine „GbR“ also zu gründen. Das die GbR unkompliziert bei Ämtern anzumelden ist, ist in der Tat korrekt – Welche großen Risiken diese Gesellschaftsform mit sich bringt wird aber leider selten, direkt besprochen. Deshalb möchte ich hier näher drauf eingehen und auch meine Erfahrungen dazu schildern:

Erst mal ist die Empfehlung eine GbR zu „gründen“ schonmal quatsch! Eine GbR ist eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts“ und ist automatisch vorhanden, sobald sich mindestens zwei Leute zusammentun um einen bestimmten Zweck zu verfolgen. Das kann sogar schon eine regelmäßige Fahrgemeinschaft zur Arbeitsstelle sein und dazu braucht es nicht mal einen schriftlichen Vertrag. Du kannst zwar gewisse Regelungen für eine GbR auch schriftlich festhalten, aber nötig ist das nicht um als GbR eingestuft zu werden. Geh davon aus dass, im Falle einer Haftungsfrage, der Richter eine Band sofort als GbR behandelt. Das ist nur zu umgehen wenn die Band als eine andere Gesellschaftsform (GmbH, Partnerschaftsgesellschaft etc. ) angemeldet wurde. Aber wo liegt das Problem mit der „GbR“?

In einer GbR haftest Du IMMER für alle anderen mit!

Nehmen wir einmal an, dass Du dich mit einem Kollegen zusammentust – Du singst und dein Kollege spielt Gitarre. Ihr beide verfolgt den gemeinsamen Zweck ein Konzert auf einem Festival zu spielen und dafür eine Gage zu nehmen.  Am Abend des Konzertes stellst Du aber nun fest, dass Dein Kollege Dich sitzen gelassen hat. Er schreibt Dir eine SMS: Es gibt Stress mit seiner Freundin und er kann nicht kommen.. Dann erreichst Du ihn nicht mehr.

Jetzt stehst Du da und musst das dem Veranstalter beichten. Der ist natürlich stinkesauer! Er hat in Werbung und Bühne investiert und die Veranstaltung ein halbes Jahr im Voraus geplant. Jetzt spielen nur 3 anstatt 4 Acts. Das Publikum ist enttäuscht und der Veranstalter muss Freibier ausgeben um einen Publicity-Schaden abzuwenden.  Nun ist dummerweise der Papa des Veranstalters Anwalt und der verklagt Euch jetzt auf Vertragsbruch und Schadensersatz. Du bist erst mal geschockt aber dann denkst Du Dir „alles halb so schlimm“. Denn zum Glück hast Du dich ja informiert und einen GbR-Vertrag mit Deinem Mitmusiker geschlossen. In dem Vertrag ist eine Klausel, die vereinbart, dass das GbR Mitglied, dass den Mist gebaut hat, die Haftung alleine übernehmen muss. In dem Fall also Dein Kollege! Der ist zwar Dauerpleite aber das ist ja jetzt sein Problem – richtig? – FALSCH! Es ist DEIN Problem! –

Die Regelung, dass nur derjenige von Euch die Haftung übernimmt, der für einen Fehler verantwortlich ist, gilt nur im sogenannten „Innenverhältnis“! Also innerhalb Eurer Band. Im Außenverhältnis, also gegenüber den Leuten mit denen Ihr Geschäfte macht, seid ihr immer mit Eurem Privatvermögen haftbar! 

In unserem Beispiel heißt das konkret, dass Du nach „Außen“ für Deinen Kollegen immer mithaftest. Und wenn Dein Kollege keine Kohle hat, aber Du ein bisschen was gespart hast, dann holt man sich den gesamten Schadensersatz von Dir. Eure vertragliche Klausel berechtigt dich lediglich dazu, dieses Geld von Deinem Kollegen zurückzufordern. Da er aber Dauerpleite ist und er auch bei Anderen Schulden hat, kannst Du davon ausgehen, dass Du darauf sitzen bleibst.

Und dieses Prinzip gilt für jede Art von Ansprüchen Dritter an Eure GbR-Band! Wenn eine fünfköpfige Rockband mehrere Einzel-Zimmer in einem Hotel bucht und der Gitarrist…wer sonst? 😉 .. es nach dem Gig ordentlich krachen lässt: Er hat die Minibar geleert, Champagner bestellt und ein Tanga hat den Decken-Ventilator lahmgelegt. Es gibt Brandflecken auf dem Teppich und irgendwer hat 3 Stunden mit dem Zimmertelefon nach Australien telefoniert. Rate mal wer jetzt die Rechnung kriegt und schlimmer noch, wer das bezahlen muss falls der Gitarrero nicht solvent ist ?  Richtig! – Die anderen Mitglieder der GbR sitzen mit im Boot!

Meine Erfahrung mit GbR´s

Als ich mich als Musiker selbstständig machte, habe ich ein Nachmittagsseminar zur Existenzgründung besucht. Der Kursleiter sagte im O-Ton: „Eine GbR sollte man nur mit jemandem aufmachen, den man auch heiraten würde!“ …und ich möchte noch dazu ergänzen, dass jede zweite Ehe geschieden wird.

Ich selbst habe da auch so meine Erfahrungen mit GbR´s: Ich kannte die Gesellschafter seit Jahren, es gab ein gutes Geschäftskonzept, viele Vorgespräche und einen über Wochen ausgearbeiteten GbR-Vertrag. Und so dachte ich zu Beginn, dass das alles super laufen wird. Ich musste dann aber leider schnell erleben, dass man sich erst so richtig kennen lernt, wenn man zusammen arbeitet und wenn tatsächlich Geld ins Spiel kommt.  Mit der Zeit kristallisierte sich heraus, dass die Ansichten, über Arbeitsweisen und der Umgang mit dem Geschäft, nicht übereinstimmten. Das Vertrauensverhältnis wurde durch immer neue Konflikte so strapaziert, dass alle Beteiligten sich sehr schnell miteinander unwohl fühlten. Dazu noch in einer so risikobehafteten Gesellschaftsform, wie in einer GbR, voneinander abhängig zu sein, wurde schnell zu einer untragbaren Situation. Die GbR hat nicht ganz ein Jahr gehalten. Bei der Abmeldung vom Finanzamt erzählte mir dort der Sacharbeiter, dass die meisten GbR´s, aufgrund von Meinungsverschiedenheiten, nicht überleben.

Welche Alternativen gibt es ?

Deshalb das nahe liegende vorweg: Halte alles so einfach und simpel wie möglich!

Wenn Du Singer & Songwriter bist und regelmäßig mit Mitmusikern als Unterstützung auftrittst, dann ist es der einfachste Weg, um Schwierigkeiten und Bürokratie aus dem Weg zu gehen, wenn Du Deine Mitmusiker „engagierst“. Ihr seid dann keine GbR sondern Du bist der Auftraggeber der anderen Musiker. Du zahlst ihnen dann gegen Rechnung ihren Anteil der Gage aus. Du hast dann auch den Vorteil, dass Du dies als „Betriebsausgabe“ versteuern kannst. Du bist zwar jetzt als Einzelunternehmer haftbar aber niemand kann in Deinem Namen etwas vereinbaren oder Geschäfte tätigen, außer Dir selbst. Lässt Dich ein Musiker hängen, oder verursacht er einen Schaden, ist er wiederum als separater Einzelunternehmer anzusehen und Du kannst Schadensersatz-Ansprüche bei ihm geltend machen.

Wenn jedoch mehrere Musiker gemeinsam an den Stücken schreiben und die Organisation des Bandbetriebes übernehmen, dann muss eine Gesellschaftsform gefunden werden, die die Haftung beschränkt, damit niemand in seiner Existenz gefährdet wird, wenn einer Mist baut oder die Dinge anderweitig schief laufen. Für Bandformationen gibt es in der Tat Alternativen, die je nach Gesellschaftsform, einen mehr oder weniger größeren Aufwand bei der Anmeldung mit sich bringen. Dafür ist aber die Haftung beschränkt! Ich empfehle deshalb, dass Ihr Euch vor Allem über folgende Gesellschaftsformen informiert:

  • Partnerschaftsgesellschaft (Haftung kann auf Verantwortliche beschränkt werden/Kein Startkapital nötig)
  • Unternehmergesellschaft (Nicht mit privatem Vermögen haftbar / Startkapital ab 1 €)
  • GmbH (Nicht mit privatem Vermögen haftbar / Startkapital 25000€)

Ich hoffe ich konnte mit diesem Artikel bewirken, dass Ihr nochmal genau prüft welche Verbindlichkeiten ihr eingeht, damit Ihr einen guten Start als professioneller Musiker habt und Euch ganz auf Eure Musik konzentrieren könnt.

Viele Grüße,

André

Ich mache darauf aufmerksam, dass dieser Text einem unverbindlichen Informationszweck dient und meinem laienhaften Wissensstand entspricht. Er stellt keine Rechtsberatung und keine Steuerberatung dar. Für eine rechtssichere Beratung wendet Euch bitte an einen Anwalt oder Steuerberater.

2 comments

  1. Anton says:

    Vielen Dank für den interessanten Artikel. Es wäre cool wenn Sie die Vorteile / Nachteile der empfohlenen Gesellschaftsformen kurz zusammenfassen könnten!
    LG

    • Admin_Song says:

      Hallo Anton, Danke für das Feedback und die Anregung. Dieser Artikel hat zu vielen Diskussionen im sozialen Netzwerk geführt. Ich plane hierzu einen weiteren Beitrag in dem ich auch auf die anderen Gesellschaftsformen eingehen werde. Du kannst Dich gerne in meinem Newsletter eintragen und Du wirst informiert, sobald neue Artikel online sind.

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